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Die Idylle steckt im Namen, aber sie ist trügerisch.

Bees wie Bene, Evi, Eva und Sascha, die Initialen der Bandmitglieder, Village wie Friedrichsdorf, 20 km nördlich von Frankfurt, dem Moloch. Sie haben sich bewusst für das Leben vor den Toren der großen Stadt in Sichtweite entschieden. Trotzdem singen sie – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – den "Herbs And Village Blues". So haben sie ihr erstes Album genannt. Darauf auch eine Ode an das Mittelgebirge vor der Haustür, den Taunus. "Golden Mountain", die goldenen Berge. Geprobt wird in einer alten Villa am Waldrand, Lieder im Garten oder am See geschrieben.

Am Anfang standen akustische Wohnzimmer-Sessions. Da hatte man noch keine Konzerte im Sinn, aber es entwickelte sich schnell ein wesentliches Charakteristikum der Band, der mehrstimmige Gesang. Crosby, Stills, Nash & Young mögen Pate gestanden haben. Insofern gehört der Folk zur Basis des Bees-Sounds.
Der erweiterte sich, je mehr Instrumente ins Spiel kamen, nicht nur unplugged, sondern dann mit Strom gespielt wurde. Da erfuhr der Schönklang erste Brechungen durch deutliche Garagen- und Underground-Signale à la Velvet Underground, die Harmonie bekam Risse, das scheinbar durchgängig Leichte emotionale Tiefe.
Auch dank der Texte. "Physical Lie" ist eine Art Protestsong voller Paranoia, übertragbar auf die politische Wirklichkeit rund um den Globus heute. "The Hit" wirft die Musiker auf ihr eigenes Leben zurück. Da steckt mehr augenzwinkernde Ironie drin als kommerzielles Kalkül dahinter. Instrumentierungen, Arrangements entstehen oft aus der Improvisation heraus. Mit Ukulele, Melodica, Mundharmonika, Akkordeon, analogen Synthesizer zu Gitarre, Bass und Schlagzeug.
Ein genialer Dilettantismus ist dabei gefragter als Perfektion oder gar sinnentleerte Virtuosität. Das Spiel jedes einzelnen Musikers gewinnt so einen ganz eigenen Charakter. Stilistisch kennt man keine Grenzen. Peter, Paul & Mary, Bob Dylan, die Beatles und Kinks treffen auf The Cramps. Unmöglich? Nicht bei Bees Village.
"Da tanzt gern mal der Fürst der Finsternis einen Reigen mit den zarten Elfen auf der sonnenüberfluteten Lichtung", schrieb das Journal Frankfurt über die gelebten Paradoxien.
Die CD steckt in einem achtseitigen Altpapierklappcover, handgefertigt, handgestempelt, jede ein liebevoll gestaltetes Unikat. "Wenn wir eine CD machen, dann soll sie auch einen Wert haben", entschieden sie. Eine charmante Idee, die ins Bild der Band passt wie das Video zu "Nobody Knows" von der Offenbacher Trickfilmzeichnerin und Regisseurin Eva Münnich. Live Action with Hand-Drawn Animation.
By Detlef Kinsler